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Belgien 2 – Algerien 1: Der Husarenstreich fand nicht statt, aber wie bedauerlich!

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Autor: Abdelhamid Berrahma AH-Redaktion für Kultur und SportHamid Berrahma photo

Ehem. USM Algier - Spieler und Trainer der algerischen Fußballmannschaft in Berlin 

Herr Berrahma ist Vorstandsvorsitzender des Deutsch-Algerischen Kulturvereins e.V. in Berlin

 

 

 belgien-algerienNach dem Spiel ist vor dem Spiel

Das Publikum hat das Spiel Belgien–Algerien zu Recht nicht besonders gewürdigt. Der Vorsitzende des algerischen Fußballverbands, Mohamed Raouraoua,  verließ die Tribüne unmittelbar nach dem 2:1. Die algerischen Spieler verließen am Ende der Begegnung den Platz mit hängenden Köpfen, während der Trainer Vahid Halilhodzic seinen Kopf in den Händen versteckt hielt.

Warum? Weil er genau wusste, dass seine Strategie nicht gefruchtet hatte.

Seine Taktik, die ihm bekannten Risiken verbarg,  war auf einem 0:0 gerichtet; er wollte bloß nicht verlieren, aber bekanntlich dauert ein Spiel 90 Minuten. Ein 1:0 durch Elfmeter erzielen ist eine Sache; das Ergebnis bis Ende des Spiels halten, ist aber eine andere Geschichte. Algerien hat fast nur verteidigt, zwar am Anfang ziemlich gut, aber später waren die „Fennecs“ ziemlich am Ende. Beim 1:1 hatte Kevin de Bruyne, der nicht seinen besten Tag hatte, die ganze Zeit der Welt gehabt, um ruhig auf dem Kopf des Ersatzspielers Fellaini zu flanken, der Rafik Halliche überlisten konnte. Das zweite Tor resultierte aus einem Bilderbuch Konter von Hazard, endlich sichtbar, zu Dries Mertens, der M´bolhi keine Chance ließ, weil Faouzi Ghoulem, der für mich ein gutes Spiel geliefert hat, in der Offensiv war und in der Abwehr links gefehlt hatte.

Bei einer WM darf man aber das erste Spiel nicht verlieren. Dieses Spiel hätten die Wüstenfüchse nie verlieren dürfen,  weil Belgien an diesem Tag, Form des Tages bedingt, bzw. weil Algerien rein defensiv sehr aggressiv und sehr präsent war,  sich ziemlich schwach präsentiert hatte.

Und was macht Vahid?

Er ergreift eine Defensivtaktik basierend auf ein 4-1-4-1. Dies heißt, nur einen Stürmer vorn, Soudani ziemlich isoliert, und die anderen sollen verteidigen. Ungewöhnlich! Seit der WM 2010 waren wir an so einer Strategie nicht mehr gewöhnt.

Damals hatte Algerien gegen Slowenien, einen Gegner der, 2002 das erste Mal an einer WM-Endrunde teilnahm und alle drei Spiele verloren hatte, und kaum Gefahr strahlte, verloren.  Slowenien hatte in der 79 Minute das 1:0, zwar durch einen Fehler des algerischen Torhüters begünstigt, das 1:0 erzielt. Gegen England hatten wir ein 0:0 gespielt und gegen die USA in der letzten Minute 1:0 verloren.

Hat uns die Geschichte nichts gelehrt? Bei dieser WM hatte Algerien 0-Tore erzielt. Eine WM, die nur alle vier Jahre stattfindet, ist ein Weltereignis von hohem Prestige, das von Milliarden von Fernsehzuschauern verfolgt werde. Diese Leute, alle Algerier wollen ein interessantes Spiel sehen und später sagen können: „ Bravo! Algerien hat schön und gut gespielt, auch wenn verloren“. Wenn Les Verts gewinnen, umso besser! Es gibt einen wunderbaren Satz in dem Film „Die Legende von Bagger Vance“ worin Will Smith zu Matt Damond sagte: „Dieses Spiel kann man nicht gewinnen, nur spielen“. Und das ist auch so! Im Fußball findet eine ständige Wiederholung statt, denn nach einem verlorenen Spiel kommt immer das nächste, nach einer WM kommt immer die nächste WM. Man ist auf dem Augenblick fixiert, später vergisst man es und will das nächste gewinnen. Das wunderschöne an Fußball, der der meist geliebte Sport der Welt ist, ist der Rausch des Augenblicks! Ich als ehemaliger Fußballspieler, der eine Pokalfinale USMA-CRB in Algier gespielt hatte, oder Algerien in Casablanca in „La Coupe des Vainqueurs de Coupe“ mit USMA vertreten hatte, bleiben nur Erinnerungen. Wenn man verliert, ist man am Anfang ziemlich enttäuscht, aber später ist alles vergessen. Spanien, ein Fußball Gigant, ist bei dieser WM ausgeschieden. Die Spieler werden aber in ihren Vereinen immer ihre hohen Gehälter beziehen und die Erde wird sich trotzdem  immer weiter drehen, im ewigen Rhythmus der Jahrzehnte.

Wie der legendären deutsche Trainer Sepp Herberger (Das Wunder von Bern) so schön sagte: „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel!“

Der Rekord der Wüstenfüchse: Das 1:0 gegen Belgien war das erste nach 28 Jahren bei einer WM.

Vahid, der ständig die Defensivtaktik von Rabah Saadane bei dieser WM 2010 kritisiert hatte, hat aber auf einmal seine adoptiert. Das 1:0, resultierend aus einem Zufallsprodukt via Elfmeter, war für ihn unerwartet.

Aber Rabah Saadane, mit der ich mehrmals in der Algerischen Nationalen Studentenmannschaft gespielt hatte (Goldmedaille in Tunis, JUM 70) war in seiner aktiven Laufbahn ein defensiver Mittelfeldspieler.

Er war ein guter Freund, nett, sehr höfflich, fast schüchtern, sehr kämpferisch und laufstark, aber sehr akribisch und diszipliniert und wollte nicht viel wagen. Daher seine Defensivtaktik.

Aber Vahid Halilhodzic war in der damaligen Jugoslawien ein Topstürmer, der die Offensive liebte;  er erzielte in 209 Spiele 106 Tore, später bei FC Nantes (1981-1986) in 163 Spiele 93 Tore, und dann bei Paris St Germain 8 Tore. Zwischen 1990 bis 2011 war er  Trainer bei Yelez Mostar, AS Beauvais, Raja de Casablanca, OSC Lille, Stade Rennes, Paris Saint Germain, Trabzonspor, Verein, der ihm angeblich 2 Millionen EUR/Jahr  für die nächste Saison angeboten hat, Al-Itihad, der auch hinter ihm ist, Elfenbeinküste, Dynamo Zaghreb und endlich Algerien: Dies heißt, er hat genug Erfahrung, um zu wissen, wie man zu spielen hat. In 3 Jahren hat er gute Arbeit geleistet, die in einem einzigen Spiel zerstört worden sind, weil diese Taktik in der gesamten Spieldauer nicht richtig war.

Nach dem 1:0 hätte er Belgien den Stoßdegen einbringen können, in dem Algerien das 2:0 erzielen hätte können. Weil unmittelbar danach war Belgien, das keinen Rhythmus bis dahin gefunden hatte, schockiert. Aber dazu hätte er den Spielern sagen können, jetzt stürmen! Denn die Stärke der Wüstenfüchse ist eigentlich die Offensive, der Drang der Stürmer, nicht die Abwehr, die bis dahin kritisiert wurde. Das 1:0 wurde in der 25´erzielt; man kann nicht dann 75´lang defensiv spielen und das darf man auch nicht; wenn das Tor in der 75´gefallen wäre, dann ja hätten sie versucht diesen Vorteil zu halten und dann kontern, denn Belgien müsste öffnen und kommen.

Unter Kommentare hat uns DZ-Citizen sehr ausführliche Auskünfte über algerischen Spielern mitgeteilt, u. a. über Yacine Brahimi, den ich auch in meinem Schreiben erwähnt hatte.  Er schrieb: „offensiver Mittelfeldspieler, der sich in der spanischen Liga einen Namen als „Dribbelmaniac“ geschaffen hat. Immerhin gilt er nach CR7 und Messi zahlenmäßig als der drittbeste 1:1 Dribbler.“

Recht vielen Dank an DZ-Citizen dafür und auch an Wahid und Sami für Ihre Ermutigung.

Ich würde mich sehr freuen, wenn ich Meinungen von Fußballexperten oder von Fußball Liebhabern lesen könnte.

Die Frage nun: warum hat ihn Vahid nicht reingebracht? Warum hat er Abdelmoumen Djabou, die Entdeckung der letzten Monate nicht reingebracht, ein Spieler, der Tore vorbereiten kann und sehr giftig für den Gegner sein kann?

Das ist die Frage, die nun das Geheimnis vom algerischen Trainer bleibt.

Als Ersatzspieler hat er zunächst Slimani für Soudani, und später nach dem 1:1 Lacen für Mahrez. Aber nicht Brahimi oder Djabou! Warum, warum…?!

Fazit: Dieses Spiel hätten wir zu unserer Gunsten entscheiden können, aber die Taktik des Trainers war nicht die beste!

Es heißt nun, wir haben noch zwei Spiele, die die Hoffnung erhalten. Es gilt Südkorea zu schlagen und Russland auch, warum nicht. Einen Sieg und ein Unentschieden könnten unter gewissen Umständen mathematisch auch reichen.

Trotz des drohenden Ausscheidens, muss Außenseiter Algerien zuversichtlich in seinen zwei Spielen gehen. „Wenn wir alles abrufen, können wir jedem Team weh tun“; wir haben keine Minderwertigkeitskomplexe; wir haben nicht zu verlieren, aber viel zu gewinnen…Yes, we can.“, sagte Vahid Halilhodzic. Dafür müsste er aber eine ganz andere Taktik wählen und auch anderen Spieler einbringen. Die Devise heißt sofort angreifen und nicht auf abwarten spielen!

„Es gibt Leute, die rennen in der zweiten Halbzeit den Minuten nach, die sie vor der Pause verschlafen haben“, sagte der gute Herberger. „ Der Ball ist rund“ oder das „Spiel dauert 90 Minuten“ sind auch Weisheiten von ihm. Vahid, du bist gewarnt!  Schauen wir mal!

Wir hoffen auf das Wunder von Porto Alegre am 22. Juni gegen Südkorea und auf das Wunder von Curitiba am 26. Juni gegen Russland!

Autor : Abdelhamid Berrahma

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