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Der Film l'Oranais: Salafisten und Nationalisten drohen den Filmemacher Lyes Salem

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Wegen seines neuen Films l'Oranais (= El Wahrani, einer, der aus Oran kommt) wird der franco-algerische Regisseur Lyes Salem seit Wochen von religiösen Extremisten, Salafisten und algerischen Nationalisten durch Lynch-, Hass- und Einschüchterungs-kampagnen bedroht. Seine Filmvorführung in Oran wurde zum Teil gestört.

Die Vorstellung des Films am vergangenen Freitag (7.11.) in Oran war trotz aller Kritik seitens der religiösen Extremisten und Nationalisten ein großer Erfolg und ein großes Ereignis, das als historisch bezeichnet wird. "Eine Filmvorführung eines algerischen Films, die komplett ausverkauft war! Dies ist in der Tat ein seltenes Ereignis in den letzten Jahren in den Kinos von Oran", sagte Abdelkrim Houari, ein Soziologe. Ein gemischtes Publikum aller Altersgruppen, Jungen und Mädchen und eine überwiegende Mehrheit der älteren, die seit dem Ende der 1980 Jahren keinen Kinosaal mehr betreten konnten, waren da. Sie, alle kamen und warteten draußen vor den Türen des Kinos in den späten abendlichen Stunden des Freitags, um den Film zu sehen.

Der Film l'Oranais sorgt seit Wochen für große Empörungen und beispiellose Hasskampagnen in den Kreisen religiöser Fanatiker, Salafisten und algerischer FLN-isten und Nationalisten. Die abscheulichen Angriffe gegen den jungen Filmemacher Lyes Salem, die seit mehr als einen Monat in sozialen Netzwerken und in Teilen der algerischen Presse verbreitet werden, erreichten ihren Höhepunkt am vergangenen Freitag bei der Filmführung.

Unbekannte Personen, ehemalige FLN-Funktionäre und mehrere Führer der nationalen Organisation der Mudjahidin-Kinder, die algerische Vereinigung der Kinder der ehemaligen Freiheitskämpfer gegen die französische Kolonialherrschaft, haben versucht, die Vorführung des Films im Essaada-Kinoraum zu blockieren und störten die Sitzung mit dem Regisseur und den Schauspielern. Sie beschuldigen den Filmregisseur, den algerischen Freiheitskampf der nationalen Befreiung und die Ehre der Mudjahidin (Freiheitskämpfer, Veteranen) in seinem Film beschmutzt zu haben. Ihre Kritikpunkte sind einige Filmszenen, in denen sich die jugendlichen Freiheitskämpfer in Bars oder Wirtshäuser, wo Sängerinnen auftraten, getroffen haben. Einige der Kritiker haben nicht einmal den Film gesehen!

Kathodische Fatwa

Die Hasskampagne wurde von "Chamseddine" (=Sonne der Religion), der sich selbst als religiöser Mensch ansieht und bezeichnet und "El Djazaïri" (=Der Algerier) nennt, verschärft. Dieser religiöse Fanatiker verbreitete seine Fatwa zu diesem Film in einer privaten algerischen Zeitung, Ennahar (ennaharonline.com). Dieser Mann produziert seit Jahren tagtäglich und ununterbrochen zu allen Themen der Welt, in allen Kontexten und erdenkbaren Formen und Möglichkeiten Fatwas, wie am Fließband. Dieser TV-"Mufti" klassifizierte die Filmfiktion des Filmemachers Lyes Salem als "Teuflischer Film" bzw. "Teuflisches Zeug".

"Ich rufe die Bürgerinnen und Bürger Orans auf, auf mich zu hören und das, was ich sage, zu befolgen. Ihr müsst einen Anwalt engagieren und eine Anklage gegen die Macher dieses Films erheben. Ein Film, der die Mudjahidin (Freiheitskämpfer) in der Nacht in Bars bzw. in Haram (Verbotenes) zeigt. Wo bleibt die Organisation der Mudjahidin? Wo bleibt der Minister der Mudjahidin? Wo bleibt die revolutionäre Familie? Wo bleiben die Bürgerinnen und Bürger Orans? Wo bleibt das algerische Volk? Dieser Film will das Ansehen der Mudjahidin in den Köpfen der Algerier vernichten", proklamiert der Fatwa-Fließband-Mufti Chemseddine.

Ihm zufolge beleidigt der Film den Islam, wegen eines "schmutzigen Wortes", das von einem Schauspieler im Film geäußert wird. "Und sie sagen uns, dass dieser Film Algerien auf internationalen Festivals vertreten wird. O Kulturminister! (der Mufti spricht die männliche Form aus, obwohl Algerien eine weibliche Kulturministerin hat) Stoppt diese Maskerade (Schande)! Es ist eine Beleidigung des algerisches Volkes, der Mudjahidin, der Märtyrer und der revolutionäre Familie", predigte Chamseddine hasserfüllt, der offensichtlich den Film nicht gesehen hat. Seine Hetze kommt in den Köpfen und Herzen von einigen fanatischen Gläubigern als Rufmord gegen den jungen Filmemacher an. (übertragen ins Deutsche, Quellen elwatan.com, lexpressiondz.com)

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