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AHK-Geschäftsführer Dr. Partsch: "Algerien ist politisch stabil und wirtschaftlich im Ausfschwunmg"

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AHK PartschAlgerien Heute hat am vergangenen Sonntag mit dem Geschäftsführer der deutsch-algerischen Handels- und Industriekammer (AHK Algerien) in Algier , Herrn Dr. Partsch, ein ausführliches Interview über die aktuellen Themen der wirtschsaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Algerien durchgeführt. Im Folgenden das komplette Interview:

 AH: Herr Dr. Partsch, zuerst möchte ich mich im Namen von Algerien Heute bei Ihnen bedanken, dass Sie sich die Zeit genommen haben, einige Fragen, die die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Algerien betreffen, zu beantworten.

Herr Dr. Partsch, wie schätzen Sie aus Ihrer Sicht die derzeitigen deutsch-algerischen Beziehungen im Allgemeinen und wie steht es mit der „Chemie“ zwischen Deutschland und Algerien?

Dr. Partsch: Die politischen Beziehungen zwischen Algerien und Deutschland sind traditionell gut und freundschaftlich. sie befinden sich in einem kontinuierlichen Aufschwung. Der Besuch von Bundeskanzler Schröder im Oktober 2004 war der erste Besuch eines deutschen Bundeskanzlers in Algerien seit 30 Jahren und stellte einen bedeutenden Schritt in der Entwicklung der deutsch-algerischen Beziehungen dar. Anfang April 2001 hat Präsident Bouteflika Deutschland als erster algerischer Präsident einen offiziellen Besuch abgestattet. Seitdem folgten verschiedene Besuche beider Länder. Bundeskanzlerin Merkel und Staatspräsident Bouteflika gründeten am 8. Dezember 2011 die Gemischte Deutsch-Algerische Wirtschaftskommission. Die dritte Wirtschaftskommission fand in Anwesenheit von Minister Rahmani in Berlin statt. Im Februar 2013 besuchten Bundestagspräsident Lammert sowie Wirtschaftsminister Dr. Rösler Algier. Auf Initiative der AHk haben 2013 Frau Staatssekretärin Reiche (BMU) und Herr Minister Dr. Schmidt (MFiBW) Algerien besucht. Zuletzt war der algerische Außenminister Medelci Mitte März 2013 zu Gesprächen in Berlin und unter anderem Gast der AHK in Berlin bei einem Diner.

AH: Herr Dr. Partsch, als Geschäftsführer der deutsch-algerischen Handels- und Industriekammer, AHK Algerien, haben Sie den besten Einblick und Überblick über die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Algerien und Deutschland. Wie würden Sie diese Zusammenarbeit aktuell qualifizieren?

Dr. Partsch: In zehn Jahren hat sich der Handel zwischen den beiden Ländern in allen Bereichen Wert verdoppelt. Deutschland ist nun der fünfte Anbieter von Algerien. Fast 200 Unternehmen aus Deutschland sind mittlerweile in Algerien tätig. Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern in den letzten Jahren haben eine positive Entwicklung erlebt. Die Entwicklung des bilateralen Handels, die im Jahr 2012 3 Milliarden Euro erreicht und das Engagement deutscher Unternehmen in Algerien, insbesondere im Rahmen von Direktinvestitionen und Joint Ventures, sind ein Spiegelbild dieses Wachstums. Selbstverständlich besteht noch viel Raum nach oben.

AH: Wie Sie sicherlich wissen, befindet sich Algerien derzeit in einer sehr wichtigen Entwicklungsphase. Große Investitionen und viele Großprojekte sind in der Durchführungs- und/oder in der Planungsphase, wie schneiden die deutschen großen und mittelständischen Unternehmen Ihrer Meinung nach diesbezüglich ab?

Dr. Partsch: Die gebildete neue Regierung hat eine Beschleunigung der vielfältigen Bau- und Infrastrukturprojekte versprochen. Schwerpunkt wird 2013 Wohnungsbau und Schienenverkehr sein. Hierfür suchen algerische Stellen neue ausländische Partner Ausgestattet mit erheblichen Devisenreserven (konservativ: 200 Mrd. $) plant die algerische Regierung in ihrem Fünfjahresplan für 2010 bis 2014 Ausgaben in Höhe von 156 Mrd. $ und sieht weitere Milliarden Dollar für noch nicht realisierte Großprojekte vor. Je technisch komplexer das Bauvorhaben, desto größer sind die Beteiligungschancen für deutsche Unternehmen. Die sich über den gesamten Norden Algeriens erstreckende Berglandschaft stellt insbesondere für den Tunnel- und Brückenbau eine Herausforderung dar. Zudem fallen aufgrund einer höheren Planungskomplexität und höherer Bedarfsansprüche die Beteiligungschancen deutscher Architektur- und Ingenieurbüros bei Projekten im Kultur-, Krankenhaus- oder im Hotelbau günstig aus. Auch hier könnte die Auftragssituation aber besser sein. Es wäre im Interesse Algeriens, vermehrt auf das Know-How von deutschen Ingenieurbüros bereits in der Ausschreibungsphase abzufordern, wie das auch in der Vergangenheit gemacht wurde. Dadurch könnten Ausschreibungen kleinteiliger und effizienzter durchgeführt werden. Deutsche Unternehmen müssen einen transparenten Wettbewerb nicht fürchten, da ihr durchschnittlich höherer Preis mit durchschnittlich höherer Qualität einher geht. Hier hören wir mit Freude, dass die algerische Seite zukünftig vermehrt auf Qualität setzen möchte. Auch das ist im Interesse Algeriens.

AH: Gemessen an der Wirtschaftsstärke Deutschlands, der größten Wirtschaftskraft der EU, engagieren sich die deutschen Unternehmen in Algerien viel weniger als ihre Mitbewerber aus Frankreich oder Italien, um zwei Beispiele zu nennen. Woran liegt es Ihrer Meinung nach?

Dr. Partsch: Die Gründe sind unterschiedlich. Generell hat sich die deutsche Industrie und der Handel in den letzten Jahren stark nach Asien, speziell China, orientiert, wo die Investitionsbedingungen deutlich besser sind. Algerien steht auch als Käufer in einem internationalen Wettbewerb.

Dennoch sind die algerischen Rahmenbedingungen für deutsche Unternehmen akzeptabel. Algerien ist das größte Land Afrikas mit einem BIP von 188,6 Mrd. USD (2012) und drittgrößte Volkswirtschaft Afrikas. Zudem ist Algerien besonders seit seiner sozialen, politischen und wirtschaftlichen Stabilisierung in den letzten Jahren zu einem wichtigen neuen Wachstumsmarkt geworden. Eine weitere sehr vorteilhafte Rahmenbedingung ist, dass Algerien in unmittelbarer Nachbarschaft Deutschlands liegt, da Algier per Flugzeug vom Frankfurter Flughafen in nur 2,5 Stunden zu erreichen ist.

AH: Herr Dr. Partsch, wie sehen Sie im Allgemeinen die algerischen Rahmenbedingungen für deutsche Investoren und wie bewerten Sie z.B. die berühmte algerische 49/51-Regelung?

Dr. Partsch: Laut der 49/51-Regelung dürfen ausländische Anteilseigner an gemeinsamen Unternehmen maximal 49% halten. Zurückzuführen ist diese Regelung 2009 auf wohl zwei schlechte Erfahrungen mit ausländischen Mehrheitseignern. Diese Regelung wirkt dies abschreckend auf alle ausländischen Unternehmen und wird daher von allen Handelskammer kritisiert. Gleichwohl kann man als ausländischer Investor mit dieser Regelung leben und sich seinen Einfluss in der Satzung sichern.

AH: Herr Dr. Partsch, es ist klar, dass bei sehr komplexen Projekten und bei unterschiedlicher Mentalitäten und Kulturen viele kleine und große Probleme gibt, wie im Prinzip überall. Könnten Sie uns bitte die größten Schwierigkeiten und Hindernisse verraten, die die deutschen Unternehmen vor einer Investition in Algerien abschrecken?

Dr. Partsch: Weitere Schwierigkeiten, die deutsche Unternehmen auch vor Investitionen in Algerien abschrecken, sind die mancherorts anzutreffende schwerfällige Bürokratie und langwierige Geschäftsanbahnungen wie auch eine erhebliche Rechtsunsicherheit. Der Minister für die PME Rahmani hat jedoch bereits angekündigt, dass eine Kommission sich der Verbesserung des Wirtschaftsklimas widmen soll und bereits 150 Verbesserungspunkte identifiziert hat.

AH: Herr Dr. Partsch, welche konkrete Maßnahmen würden Sie sich von der algerischen Seite wünschen, um die deutsch-algerischen Zusammenarbeit noch stärker und vor allem effizienter zu gestalten?

Dr. Partsch: Die Rahmenbedingungen für den Privatsektor bleiben schwierig, da die Gesetze auslegungsbedürftig sind. Sie werden zu oft korrigiert, manchmal sogar rückwirkend.

Daher wünschen wir eine Lockerung einiger bürokratischer Verfahren, und einer Überarbeitung des 51/49 Gesetzes. Auch sollten die Ausschreibungsverfahren Qualitätskriterien mehr berücksichtigen und transparenter ablaufen. Die deutschen Unternehmen scheuen sonst die hohen Kosten eines Ausschreibungsverfahrens, da in anderen Ländern die Wahrscheinlichkeit, einen Auftrag zu erhalten, wesentlich höher ist.

AH: Herr Dr. Partsch, könnten Sie uns vielleicht Ihre Einschätzung geben, wann ein großer deutscher PKW-Hersteller (VW, BMW, Mercedes, Audi …) in Algerien eine Autofabrik bauen wird?

Dr. Partsch: Wegen der Verhandlung von Daimler bitte ich Sie, sich an die Presseabteilung an Daimler oder deren algerischen Verhandlungspartner zu wenden. Gleiches gilt für alle Verhandlungen anderer KfZ-Hersteller.

AH: Sie Kamen kurz nach dem sogenannten arabischen Frühling nach Algerien, wie beurteilen die wirtschaftliche Entwicklung seit dem in Algerien?

Dr. Partsch: Der sogenannte arabische Frühling hat bei vielen deutschen Unternehmen die Erkenntnis gebracht, dass Algerien ein relativ stabiles Land ist, in welches zu investieren, sich lohnt.

AH: Was können Wir, die deutschsprachigen und vor allem, die algerischen Akteure, die im Ausland leben, tun, um Deutsche und andere deutschsparchige Investoren dazu zu bewegen, in Algerien zu investieren?

Dr. Partsch: Wie gesagt sollten die Ausschreibungsverfahren dem Mittelstand geöffnet werden und transparent ablaufen. Auch könnte man die Fristen länger gestalten, um effektiver den Wettbewerb zu eröffnen. Weiterhin sollten die Unternehmen klare Regelungen erhalten und der Beurteilungsspielraum von Behörden reduziert werden.

AH: Im Frühjahr 2011 hatte der damalige algerische PMU-Minister, Herr Benmeradi  eine gemeinsame Rahmenvereinbarung in verschiedenen Bereichen mit dem deutschen Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, Herrn Dr. Pfaffenbach unterschrieben. Was hat sich seit dem getan?

Dr. Partsch: Ich nehme an, Sie meinen den IMF. Hier liegt es im Interesse Algeriens, aus dem Forderungskatalog die Punkte herauszunehmen, die die algerische Wirtschaft und Bevölkerung voran bringen. Eine Wirtschaft ohne bürokratische Barrieren könnte dem Land sehr helfen. Gerade mittelständische Unternehmen könnten viel Personal einstellen. Mittelstand kann aber nur dort gedeihen, wo die Transaktionskosten gering sind.

Die Gemeinsame algerisch-deutschen Wirtschaftskommission hat schon viel erreicht. Sie öffnete vielversprechende neue Perspektiven für die Entwicklung der wirtschaftlichen und handelspolitischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern. sie ist durchaus eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern «ein Mechanismus, der sich bewährt hat, und es wird mehr in die Tiefe, der Diversifizierung und Intensivierung des Handels zwischen den beiden Ländern.» Dieser Ausrichtung hat das Potenzial und den Zugang zu dem algerischen Markt in verschiedenen Bereichen identifiziert und entwickelt, wie erneuerbare Energien, Medizintechnik, Ausbildung, Landwirtschaft, Verkehr, Pharmakologie und Nahrungsmittel. Die AHK hat sich jedesmal sehr aktiv daran beteiligt und deutsche und algerische Unternehmen zusammengebracht. Im Mai hat die AHK eine arabische Delegation nach Bremerhaven begleitet, damit diese dort den neuen Containerhafen besichtigen kann. Für den Aufbau der algerischen Industrie ist eine funktionierende Hafenstruktur von hoher Bedeutung.

Algerien ist vielleicht kein einfacher Mark, aber politisch stabil und wirtschaftlich im Aufschwung. Privatisierung und Liberalisierung schreiten fort. Große Investitionsprogramme öffnen neue Geschäftsfelder. Die dunklen Zeiten der politischen und wirtschaftlichen Isolation Algeriens sind vorbei. Es gibt eine Vielzahl der Kooperationensbeispiele. Die Investitionen der Großunternehmen ebnen auf schwierigen Märkten generell den Weg für die mittelständige Wirtschaft. Konkret verbessert wurden die Zutrittsbedingungen jedoch durch die Gründung der Deutsch-Algerischen Industrie- und Handelskammer in Algier 2005. Die Investitions- und Privatisierungsprogramme, die inzwischen auf dem Tisch liegen, sind umfangreich und finanziell gut abgesichert.

AH: Herr Dr. Partsch, Sie haben wahrscheinlich bereits von dem ersten und einzigen deutschsprachigen Onlinemagazin über das wunderschöne Land Algerien, www.algerien-heute.com, gehört. Wie finden Sie die Idee, das Konzept und die Umsetzung?

Dr. Partsch: Die Idee halte ich für sehr gelungen, da sich Algerien-Interessenten in verschiedenen Themenbereichen, wie z.B. Politik, Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft, Tourismus und Sport, informieren können. Die Themenbereiche sind sehr vielfältig, was Interessenten ermöglicht, sich umfassend zu informieren. Ich begrüße sehr diese Initiative. Insbesondere das Wirtschaftsteil des Onlinemagazins hat natürlich für deutsche Unternehmen eine wichtige Bedeutung und kann dazu beitragen, deutschen Firmen wichtige Informationen über die algerische Wirtschaft zu liefern.

AH: Herr Dr. Partsch, im Namen der AH-Redaktion bedanke ich mich sehr für Ihr Geduld und wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Mission in Algerien.

Das Interview mit dem Geschäftsführer der AHK Algerien, Herrn Dr. Partsch, wurde am vergangenen Sonntag (09.06.) am Vormittag in seinem Büro in Algier vom AH-Korrespondenten, Herrn Merouane Belhadj, durchgeführt.

Auf eine Frage zum Desertec-Projekt in Algerien, die sich auf die aktuelle Pressekonferenz des Generaldirektors des algerischen staatlichen Energieunternehmens Sonelgaz, Herrn Noureddine Boutarfa, bezieht, sagte heute der AHK-Geschäftsführer in Algier, Herr Dr. Partsch, folgendes:

"Herr Boutarfa und ich sind wohl beide Unterstützer des Desertec Gedankens. Auf EU Ebene wie an vielen anderen Stellen müssen sicher noch eine Reihe von Personen überzeugt werden. Der Desertec Gedanke wird dies sicher erreichen."

Deutsch-Algerische Industrie- und Handelskammer / Chambre Algéro-Allemande de Commerce et d'Industrie

11, rue Mohamed Khoudi - EL Biar

16000 Algier, Algerien

Präsident: Hubert Mainitz / E-ON Ruhrgas
Geschäftsführer: Christoph Partsch

Internet: algerien.ahk.de

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