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Teil I: Eisenbahnprojekte in Algerien: InnoTrans größte Bahntechnik-Messe der Welt in Berlin

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Hamid Berrahma photoAutor: Abdelhamid Berrahma: AH-Redaktion für Kultur, Sport und Wirtschaft

Ehem. USM Algier-Spieler (1. Liga) und Trainer der algerischen Fußballmannschaft in Berlin 

Dipl.-Ing. Berrahma ist Vorstandsvorsitzender des Deutsch-Algerischen Kulturvereins e.V. in Berlin

 

InnoTrans Berrahma 7InnoTrans 2014 mit 140 Weltneuheiten Branchenevent der Superlative

Vom 23. bis 26. September 2014 haben in vier Tagen 138.872 Fachbesucher aus über 100 Ländern die Messe besucht. Am Wochenende (27.09. – 28.09-.2014) war die InnoTrans 2014 auf dem Messegelände Berlin für das Publikum geöffnet. Die Fläche des komplett belegten Messegeländes Berlin Expo Center City betrug 102.843 Quadratmeter. Gegenüber der vergangenen InnoTrans 2012 bedeutet dies ein Aussteller- und Fachbesucherplus von zehn Prozent.

 

 

Die zehnte Auflage der InnoTrans war ein Branchenevent der Superlative.

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Aussteller aus 55 Ländern - 145 neuen Schienenfahrzeuge als Highlight der Messe

2.758 Aussteller aus über 55 Ländern haben ihre bahntechnischen Innovationen präsentiert. Dabei lag der Anteil der ausländischen Aussteller bei 61 Prozent, wobei diesmal auch Firmen aus Argentinien, Marokko, Weißrussland, Litauen und Mazedonien neu dazu kamen.

Es waren alle Hersteller vertreten, die in dieser Branche Rang und Namen haben. Das Event der Superlative hat innerhalb der vier Ausstellungstage die höchste Konzentration von Angebot und Nachfrage des weltweiten Bahnmarktes zusammengeführt. Es war auch ein Fest für alle Fans der Bahn- und Gleistechnik. Der China-Stand war für mich der beste.

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AH-Redaktion: Dipl.-Ing. Abdelhamid Berrahma auf der Messe InnoTrans in Berlin (23.-26.Sep.2014)

Highlight der InnoTrans 2014 waren die 145 neuen Schienenfahrzeuge auf dem Frei- und Gleisgelände. Insgesamt wurden in Berlin 140 Weltpremieren vorgestellt, was von der Wichtigkeit dieser Bahnmesse und von der Innovationskraft der Bahnindustrie zeugt.

InnoTrans als Marktimpuls

InnoTrans als Marktimpuls hat es möglich gemacht, dass auch diesmal millionenschwere Verträge sowie zahlreiche Kooperationsabkommen unterzeichnet wurden.

So teilte zum Beispiel Stadler Rail (in Algerien via Tochterunternehmen präsent) mit, dass der finnische Bahnbetreiber Junakulusto Oy weitere 34 Flirt-Züge mit einem Auftragsvolumen von 200 Millionen Euro bestellt hat.

Der polnische Hersteller Pesa hat einen Vertrag mit der Deutschen Bahn unterzeichnet, der die Lieferung von 26 Link-Zügen für Bayern mit einem Auftragsvolumen von rund 100 Millionen Euro garantiert.

Alstom und Vossloh haben einen elf Millionen schweren Vertrag für die Ausrüstung von Vossloh-Lokomotiven mit moderner Leit- und Steuerungstechnik (ETCS) unterzeichnet.

Die Deutsche Bahn und die französische SNCF haben zudem das Kooperationsabkommen für den grenzüberschreitenden Hochgeschwindigkeitsverkehr mit TGV- und ICE-Zügen bis 2020 verlängert.

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           AH und InnoTrans 2014                       AH-Redaktion bei Bombardier                          China CNR Corporation Limited

Unter den Weltneuheiten hat Siemens ebenfalls eine Weltpremiere auf der InnoTrans vorgestellt. Der deutsche Technologiekonzern zeigte drei Wagen des Desiro City, die für die neugebaute Thameslink-Strecke quer durch London konstruiert worden sind.

Der Energieverbrauch und der Streckenverschleiß werden um die Hälfte gegenüber dem Vorgängermodell reduziert, was großartig ist. Darüber hinaus wird die Passagierzahl um ein Viertel erhöht. Siemens soll insgesamt 1.140 Wagen in Krefeld bauen.

Eisebahnprojekte in Algerien – SNTF und ANESRIF

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Das algerische Bahnnetz und die Entwicklungsperspektiven (SNTF)

Auf diese Karte, die mir SNTF übergab, sind die gelben Strecken längerfristigen Projekte, die weißen, mittelfristigen, die blauen, kurzfristigen. Einige Strecken sind schon vorhanden, anderen zweigleisig und elektrifiziert.

Für deutsche Unternehmen wäre das Engagement einer oder zwei Elektrifizierungsfirmen ein „gefundenes Fressen“, weil dies eine echte Marktlücke ist. Es gibt keine algerischen Unternehmen, die diese Technik beherrschen (Oberleitung usw.). Das größte Ingenieurbüro (staatlich) für die Bahntechnik bat mir anlässlich der InnoTrans welche zu kontaktieren.

Auftraggeber für das algerische Streckennetz ist die 2005 gegründete Eisenbahnagentur ANESRIF (Agence Nationale d'Études et de Suivi de la Réalisation des Investissements Ferroviaires). Im Rahmen des Fünfjahresplans 2010 bis 2014 sind für den Ausbau des Schienenverkehrs Investitionen von rund 24,4 Mrd. Euro geplant.

Für das Fünfjahresplan 2015 – 2019 sind noch keine genauen Zahlen vorhanden, aber man schätzt die Investition für ca. 8.000 km bei ca. 30 Mrd. Euro.

Zum bestehenden Netz sollten bis 2015 weitere 6.600 km hinzukommen. Dies bedeutet, das algerische Schienennetz soll 10.500 km lang und komplett elektrifiziert sein. Aber insbesondere im Schienenverkehr ist die Projektrealisierung weit hinter den Plänen zurückgeblieben. Trotz Annullierungen von Ausschreibungen und Plänen sind aber einige Projekte 2012 und 2013 angelaufen; sie umfassen Zugverbindungen von knapp 2.200 km, während Verbindungen zu 5.000 km in der Studienphase sind. Sehr ehrgeizig bleibt das Ziel, das Schienennetz innerhalb der kommenden vier Jahre von gegenwärtig 4.000 km auf 12.000 km zu erweitern.

Insgesamt sind neun neue Stadtverbindungen geplant, darunter drei Strecken, die bei Fertigstellung von Ksar El Boukhari, rund 130 km südlich von Algier, bis nach Lahouat in die nördliche Sahara führen und 290 km umfassen sollen. In der südöstlichen Provinz Ouargla ist eine Verbindung zwischen den Städten Touggourt und Hassi Messaoud geplant, während im Westen des Landes eine Küstenstrecke zwischen Hassi-Mefsoukh (bei Arzew) und Mostaganem entstehen soll. Auch innerstädtische Zugverbindungen sind geplant (7 km in Arzew; 3 km in Beni Saf und 3 km in Algier). Drei Strecken sollen modernisiert werden, darunter im Osten die Verbindung von Jebel Onk nach Annaba für den Phosphatabbau.

Eines der größten Bauprojekte im Bereich Transport ist die im Norden gelegene Ost-West-Autobahn, die von der tunesischen Grenze nach Constantine, Setif, Algier Chlef bis nach Tlemcen an der marokkanischen Grenze verläuft. Mit der kompletten Fertigstellung der 1.216 km langen Autobahnstrecke, die schon länger benutzt wird, ist erst Ende 2016 zu rechnen. Die Kosten des Projekts liegen mittelweile bei schätzungsweise 12 Mrd. USD. Erst jüngst wurde mit dem Bau von 55 Mautstationen, 76 Rastparkplätzen und 22 Tankstellen begonnen.

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Seriöse Zeitung le MAGHREB, 13.06.2009, ca. 55 Mrd. Euro für die algerische Eisenbahn

Studie zu Hochgeschwindigkeitszug

Ich wurde vor kurzem informiert, dass eine Ausschreibung bezüglich einer Ost-West-Schnellzugverbindung bald erscheinen wird. Hier ist eine Art TGV, bzw. ICE geplant.

Die Trasse würde parallel zur bestehenden küstennahen Zugverbindung (Rocard Nord) liegen, die rund 1.200 km lang ist. Vorstudien seien im Gange, so der Geschäftsführer der ANESRIF Azeddine Fridi, den ich in Algier getroffen habe, als er nur technischer Direktor bei SNTF (die algerische DB, gegründet 1976) war, in einer Pressekonferenz. Mittelfristig - so der Behördenchef weiter - strebe die ANSERIF (500 Mitarbeiter) rund 12.000 km Bahnschiene an. Gegenwärtig seien es hingegen knapp 4.000 km. Für die bestehende Ost-West-Verbindung würden gegenwärtig Bahnstrecken verdoppelt, elektrifiziert und modernisiert. Auch würden Anschlussverbindungen zu Häfen und Logistikzentren gebaut, so Fridi. Nicht zuletzt ist auf der Höhe des algerischen Hochplateaus eine Ost-West-Strecke von rund 1.160 km geplant, die Tebessa im äußersten Osten mit Sidi Bel-Abbés an der Westgrenze des Flächenstaates verbindet. Davon sind gegenwärtig 700 km im Bau.

Algerien setzt auf Bau von Straßenbahnen

Algerien setzt auf den Straßenbahn- und Metrobau. Ende Oktober 2011 hat der algerische Präsident die erste Metrostrecke in der Hauptstadt eröffnet. Erst im April 2014 ist der dritte Straßenbahnabschnitt im Osten Algiers eröffnet worden. Mit der 4,2 km langen Strecke beläuft sich das Netz der Hauptstadt auf rund 20 km; bis Ende 2014 kommen weitere drei Kilometer hinzu. Das Staatliche Unternehmen für den öffentlichen Nahverkehr Entreprise du Metro d'Alger (EMA) plant in 17 Städten den Neu- oder Ausbau von Straßenbahnlinien. In Algerien wird es - so eine Schätzung - in den kommenden zehn Jahren rund 20 Städte mit über 200.000 Einwohnern geben.

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Transportminister Amar Ghoul bei ANESRIF                                       Dieseltriebwagen ZZ 2202 im Bahnhof der Stadt Sidi Belabes

Im Rahmen der Entwicklungsstrategie für den Transport wird das Eisenbahn-Modernisierungsprojekt Thénia-Tizi Ouzou, den ich gut kenne, inkl. Elektrifizierung bis Oued Aïssi, spätestens Januar 2015 konkretisiert.

Ich liebe die Messe InnoTrans, die ich in den letzten zehn Jahren regelmäßig besucht habe. Algerische Eisenbahn-Experten haben in den letzten Jahren die Messe auch besucht. An die eventuellen algerischen Besucher bei der InnoTrans 2014 hat die AHK Algier (Deutsch-Algerische Industrie- und Handelskammer) eine Einladung geschickt, damit sie die Reisemodalitäten übernimmt. In der Vergangenheit hat sie das gut gemacht.

Eine gut funktionierendeAHK in Algier in Zusammenarbeit mit Algerien-Heute (AH),das sich bald dem Deutsch-Algerischen Markt (http://algerien-markt.com/)widmet und sein Netzwerk in Zusammenarbeit mit "Dar El Djazair"dem neuen deutsch-algerischen Haus der Begegnung, des Kennenlernens, der Vielfalt und der Toleranz(http://www.dar-el-djazair.com/) erheblich vergrößern wird, wäre von Vorteil für alle Parteien, sowohl für deutsche und algerische Unternehmen als auch für die Fachleute und Experten beider Länder.

Es betrifft auch das Goethe-Institut in Algier als auch die Friedrich-Ebert-Stiftung, das viel für Hans-Jürgen Wischnewski (ein AH-Artikel wird ihm bald gewidmet), den größten Freund Algeriens, getan hat, das auch die Algerier nicht vergisst und uns regelmäßig an Veranstaltungen in Berlin eingeladen hat, bzw. einlädt, wie am 24.09.2014 im Hotel Maritim (Tiergarten, Berlin), bezüglich Wichtigkeit der Arbeitnehmer mit Migrationshintergrund, somit auch algerischen Arbeitnehmer in Deutschland.

Warum all diese Institutionen, die in Algerien ziemlich aktiv sind, und für die Kultur und die Wirtschaft im Rahmen der deutsch-algerischen Beziehungen bis jetzt viel getan haben, keine offizielle Zulassung haben, ist mir schleierhaft, was einer Erklärung bedarf, denn unsere algerische Vereine in Deutschland sind offiziell als e.V. zugelassen.

Ich wünsche dem neuen AHK-Geschäftsführer Marko Ackermann alles Gute!

... weiter auf Teil II

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